Grand Chapitre International de Printemps de la Châine des Rôtisseurs, 8. bis 10. Juni 2012 in Bad Ragaz

Grussbotschaft des Kantonsratspräsidenten von Kantonsrat und Regierung

Die Confrèrie de la Châine des Rôtisseurs und der mit ihr verbundene Ordre mondial des Gourmets Dégustateurs gehören – so liess ich mich informieren – zu den ältesten und traditionsreichsten Vereinigungen von Feinschmeckerinnen und Feinschmeckern: Sie zählen weltweit in rund 120 Ländern gegen 30'000 Mitglieder sowie Sympathisantinnen und Sympathisanten. In der Schweiz gehören beiden Vereinigungen rund 2'000 Mitglieder an.
Das Grand Chapitre International des Bailliage de Suisse – ich verstehe darunter eine Art Generalversammlung – haben Sie für 8. bis 10. Juni 2012 in den Grand Hotels Bad Ragaz vorgesehen, jeden Tag verbunden mit bestimmten Traktanden, aber auch mit gesellschaftlichem und insbesondere Kulinarischem. Für das jetzt stattfindende Grand Chapitre International des Bailliage de Suisse haben Sie die Verantwortung für die Durchführung in die Hände des Vorstandes der Bailliage de St-Gall gelegt … wohl zu Recht, wie die Erfahrung aus dem Jahr 2007 und die bisherige Erfahrung dieser Tage zeigt. Grossartig, was heute angeboten wird!

Für die Durchführung Ihrer Veranstaltung in den Grand Hotels Bad Ragaz gratuliere ich Ihnen, und für Ihre Einladung zum Grand Dîner danke ich Ihnen ganz besonders … um vollständig und korrekt zu sein: danken
wir Ihnen ganz herzlich: nämlich ich als Präsident des Kantonsrates, begleitet von meiner Ehegattin, Vreni Bischofberger, aber auch im Namen des Präsidenten der Regierung des Kantons St.Gallen, der jedoch wegen andersweitiger Beanspruchung Ihrer Einladung aber leider nicht folgen konnte.

… dabei mögen Sie sich bewusst sein und wahrnehmen, dass Ihrem Grand Dîner hier und jetzt die Seltenheit und Besonderheit zu Teil wird, dass der Präsident des Kantonsrates auch den Präsidenten der Regierung vertreten kann und darf. Die Regel ist nämlich, dass sich Legislative und Exekutive im Kanton St.Gallen zwar recht gut verstehen und auch zusammenwirken, ihre je eigenen Zuständigkeiten und Befugnisse jeweils aber ganz bewusst wahrnehmen und pflegen.

Ihre Einladung zum heutigen Grand Dîner als Ehrengast war mit der «leisen» Erwartung verbunden, dieser Ehrengast möge doch einige Worte an Sie richten. Dies jedenfalls meine Vorstellung und Interpretation … So sah ich mich denn veranlasst, näher hinzuschauen, was denn Ihre Organisation ist und welchen Bezug diese Organisationen zur Schweiz, aber insbesondere zum Kanton St.Gallen hat. So dokumentierte mich Ihr Bailli Régional, Jacques Sinz, Altstätten, ganz komfortabel. Ich hoffe, sie gestatten mir, wenn ich mich in meiner Grussbotschaft nicht allzu tief in Ihre Gefilde einlasse, sondern von meiner Seite berichte, von unserer Seite, etwas vom Kanton St.Gallen, wo Sie sich gegenwärtig aufhalten.

Der Kanton St.Gallen ist ein «treuer» Bundesgenosse in unserer Eidgenossenschaft. Er repräsentiert die Ostschweiz und nimmt für sich sogar gelegentlich in Anspruch, das Schwergewicht der Ostschweiz zu sein. Er grenzt an die Kantone Thurgau, Zürich, Schwyz, Glarus, Graubünden und umarmt die Kantone Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden vollständig. Er grenzt aber auch ans Ausland, an Deutschland mit dem Bundesland Bayern, an Österreich mit dem Bundesland Vorarlberg und an das Fürstentum Liechtenstein, in seinen Ausrichtungen also sowohl interkantonal als auch international.

Der Kanton St.Gallen hat eine ständige Wohnbevölkerung von etwa 480'000 Bewohnerinnen und Bewohnern und positioniert sich damit auf dem 5. Platz in der Reihe der Kantone. Er hat eine Gesamtfläche von 1'951 Quadratkilometern und positioniert sich damit flächenmässig auf dem 6. Platz der Kantone.

Wir St.Gallerinnen und St.Galler sind ausgesprochene Ostschweizerinnen und Ostschweizer. Das spüren Sie bereits an unserem Dialekt, auch an meinem Dialekt. Das wissen Sie bestimmt aber auch von der Mentalität her: Im Auftreten und gesellschaftlichen Dominieren eher zurückhaltend, dafür aber verlässlich und zuverlässig, genau und exakt, arbeitsam und fleissig. Man sagt ja, die Ostschweizerinnen und Ostschweizer seien im Vollziehen der Bundesgesetze «bundestreuer», als sich «Bundesbern» den Vollzug durch die Kantone überhaupt vorstellen konnte … Und Sie haben es sicher auch schon gehört: Die Ostschweizerinnen und Ostschweizer haben ihr Tageswerk bereits fast zur Hälfte verrichtet, wenn die Zürcherinnen und Zürcher zum Frühstück eintreffen, wenn die Bernerinnen und Berner ans Aufstehen denken, wenn die Waadtländerinnen und Waadtländer den Morgenwecker das erste Mal stoppen und wenn die Genferinnen und Genfer erst gerade zu Bett gegangen sind …

Lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf den Kanton St.Gallen, der ein Staat mit einer modernen Staatsverwaltung ist. Da erkennen wir folgende staatlichen Ebenen:
– der Kanton
– die Gemeinden
Eine eigentliche Zwischenebene zwischen Kanton und Gemeinden besteht nicht mehr, abgesehen von den Wahlkreisen. Unsere neue Kantonsverfassung von 2001, welche seit 2003 in vollzug ist, verzichtet nun auf Bezirke, die andere Kantone kennen.

Auf Stufe Kanton dominieren, was die Organisation anbetrifft:
– Kantonsrat;
– Regierung und Staatsverwaltung;
– Gerichte.

Unser Kantonsrat, die Legislative, hatte bis Mitte des Jahres 2008 180 Mitglieder, ab Mitte des Jahres 2008 120 Mitglieder, Kantonsräte. Dem Kantonsrat obliegen Gesetzgebung, Gestaltung des Finanzhaushaltes, Aufsicht über Regierung und Staatsverwaltung sowie Wahlen von Spitzenfunktionen im Kanton. Unser Kantonsrat tritt neu zu vier Sessionen, zur Februarsession, zur Junisession, zur Septembersession und zur Novembersession, zusammen, je höchstens drei Tage! Soeben hat unser Kantonsrat die Amtsdauer 2012/2016 begonnen, wo ich als Präsident gewählt wurde und die Junisession 2012 abgeschlossen, in welcher wir einen Auftrag des Parlamentes vollzogen haben, indem wir 200 Mio zu sparen hätten. Dieser Antrag wurde von der stärksten Fraktion, der SVP Fraktion, eingereicht. Sie ist nach wie vor die grösste Fraktion, gefolgt von der CVP-Fraktion, die ab dieser Session auch der EVP Gastrecht gibt, und somit eine Fraktionsgemeinschaft bildet, dann folgt die SP-Fraktion, die sich mit den Grünen liiert hat, die FDP-Fraktion und die GLP/BDP-Fraktion, welche die Grünliberale und BDP-Bürgerliche vereint.

Wie bereits erwähnt, die Gemeinden, die politischen Gemeinden, aber auch die Spezialgemeinden wie z.b Ortsgemeinden, bilden die zweite Ebene des Kantons. Ursprünglich waren es 90 politische Gemeinden, doch diese Zahl sinkt fortlaufend mit den Gemeindevereinigungen, die in unserem Kanton Einzug gehalten haben …

Unser Kanton St.Gallen ist recht unterschiedlich strukturiert: Im Norden finden Sie die Hauptstadt, die Stadt St.Gallen, die im Verhältnis zwischen Stadt und Land ein recht grosses Gewicht hat. Auf der Ostseite des Kantons finden Sie das untere Rheintal, das historisch bedeutsame Werdenberg und das Sarganserland, in welch schöner Gegend Sie sich jetzt aufhalten. Gehen wir im Urzeigersinn weiter, kommen wir über den Walensee in das Linthgebiet, über den Ricken dann in das Toggenburg und – das Toggenburg hinunter – ins Fürstenland … Fürstenland genannt, weil dies früher das Land des Fürstabten von St.Gallen war. Damit haben wir die tour du canton gemacht.

Hier im Sarganserland und hier in Bad Ragaz tritt eine besonders schöne und vielseitige Region an Sie heran: Kleine und mittlere Industriebetriebe im Raum Sargans, Tourismus und Gesundheitsaspekte hier in Bad Ragaz, aber auch oben in Pfäfers, Landwirtschaft und Forst überall im Sarganserland, Weinbau in Fläsch und in den Bündner Herrschaften, aber auch Historisches vom Schloss Sargans bis zum Wirkungs- und Einflussbereich von Heidi, des Kindes von Johanna Spyri, das der ganzen Region den Zusatznamen «Heidiland» schenkte. Sie sehen: Ihre Organisation hat Ihren Grand Chapitre International de Printemps 2012 in den richtigen Kanton und an den richtigen Ort gelenkt! Das freut auch uns, insbesondere mich als Kantonsratspräsidenten.


In Ihrem Kreis ist es bekanntlich üblich, die einzelnen kulinarischen Gänge in Ihren Dîners bewusst voneinander abzusetzen, um sie so auch geniessen zu können. Gerade diese Ihre Gepflogenheit nutzte ich, um Ihnen meine Grussbotschaft des Kantons St.Gallen zu übermitteln. Das tat ich jetzt und das tat ich sehr gern … und ich danke Ihnen herzlich für Ihre Aufmerksamkeit, die Sie mir geschenkt haben. Nun freue ich mich aber ein weiteres Mal auf den anstehenden nächsten Gang und grüsse Sie herzlich im Namen des Kantons St.Gallen hier in Bad Ragaz.